50 Jahre S-F-Beat

Ich war gerade in der 9. Klasse als eine neue Radiosendung im öffentlich rechtlichen Rundfunk startete: der Sender Freies Berlin strahlte jeden Tag die Sendung S-F-Beat im Jugendprogramm um 18.30 Uhr aus. Das gab es in der bisherigen Radiolandschaft noch nicht: eine Sendung mit jungen Moderatoren, die kein Blatt vor den Mund nahmen und ausschließlich britische und amerikanische Pop- und Rockmusik spielten. Das Besondere an der Sendung war, dass die Moderatoren live vor dem Mikrofon agierten, entsprechend spontan war auch die Art und Weise wie die Themen für Jugendliche dargeboten wurden. Der Rundfunkrat betrachtete diese neue Form von Jugendsendung mit Skepsis, weil hier auch Themen aufbereitet wurden, die zu der Zeit eifrige Diskussionen in der Gesellschaft hervorriefen: Studentenproteste gegen die autoritären Strukturen in den Universitäten, gegen den Vietnamkrieg, Stellungnahmen zu den damals politisch „heißen“ Themen.

Für uns als Schüler war es natürlich eine Pflicht, dieses Radioprogramm jeden Tag zu hören. Zum einen, weil wir auf diese Weise sehr schnell an die neuesten Veröffentlichungen der angesagten Bands und Künstler kamen, auch auch wegen der Themen, die hier angeschnitten wurden und auf Augenhöhe dargeboten wurden: Bildungssituation, Sex, Politik.

Besonders beliebt waren die damaligen Moderatoren: Hans Erich Spritulla, Ullrich (Ulli) Herzog, Hans Dieter Frankenberg (Fränkie), Hans-Reiner Lange (Pfeifen-Lange), Wolfgang Kraesze (Hippy Kraesze) und Juliane Bartel. Ullrich Herzog (verstorben 2003) war später lange Zeit Regisseur und auch Autor der Kinder-Hörspielreihe Benjamin Blümchen.

Zum Jubiläum der Sendung hier ein Beitrag des RBB. In der Edition Gehirnstrom wurde von Heiner Stahl ein Beitrag zu Jugendradio im kalten Ätherkrieg veröffentlicht.

 

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